1981 Hamburg - Vierblock auf Eilsendung
Viererblock mit rechten Oberrand der
Bund MiNrm. 1098 vom
19.Kirchentag auf einem portogerechten Eilsendung.
Vorderseite
Älterer Briefumschlag in lädierter Form mit einer Scherenschnittöffnung am rechten Rand.
Versendet am 08.05.1981 von Heist (Kreis Pinneberg, Geest und Marsch Südholstein) nach Wedel (Kreis Pinneberg) mit einer längeren Laufhistorie mit vielen Stempeln.
Frankiert wurde der Brief portogerecht mit einer Gebührensumme von 3,10 DM mit folgenden Briefmarkenwerten:
- Viermal der 50 Pfennig Wert
Bund MiNrm. 1098 "19. Deutscher Evangelischer Kirchentag 1981 in Hamburg" als Viererblock vom rechten Oberrand des Bogen.
- Je einmal der 50 (Bund Minrm. 1096, Tracht aus dem Schwarzwald) und der 60 Pfennig Wert (Bund Minrm. 1097, Tracht aus Friesland) aus dem Satz "Europamarken Folklore".
Alle Werte sind einen Tag vorher am 07.05.1981 erschienen.
Das Porto von 3,10 DM setzt sich aus den 60 Pfennig für einen 20g Fernbrief und den 2,50 DM Zuschlag für die Eilzustellung (zwischen 06 und 22 Uhr) zusammen.
Der Tarif galt vom 01. Januar 1979 bis 30. Juni 1982
Unten links auf dem Brief der rote Klebezettel mit dem Hinweis "Exprès / Eilzustellung" wie es seit dem Weltpostkongress 1920 in Madrid vorgesehen war. Diese Klebezettel wurden, ähnlich wie bei den R-Zettel der Einschreiben, durch den Beamten im Postamt aufgeklebt.
Interessanterweise wurde auf der Rückseite nochmal zwei Zettel als "Siegel" verwendet. Das war eher ungewöhnlich.
Die Rückseite
Absender, Klebezettel und diverse Stempel.
Eilzustellung
Mit der Versendungsform Eilzustellung, früher auch Eilbrief und heute Express-Brief genannt, erreicht der Absender, dass seine Sendung dem Empfänger nicht mit dem gewöhnlichen Postlauf, sondern durch einen Eilboten unmittelbar nach Eingang am Auslieferungspostamt/-filiale zugestellt wird. Ist der erste Versuch zur Zustellung mit besonderem Boten erfolglos geblieben, kann die Sendung anschließend wie eine Sendung ohne Eilzustellung behandelt werden und wird in den Hausbriefkasten eingelegt.
Die Eilzustellung ist nicht auf die im Weltpostvertrag genannten Sendungsarten beschränkt. Auch Wertbriefe, Wertkästchen, gewöhnliche Postpakete, Wertpakete und Zahlungsanweisungen können durch besondere Boten zugestellt werden.
Laufweg / Stempel
Mit den Stempel wurde seitens der Post der Lauf des Briefes dokumentiert, hatte also amtlichen Charakter. Dieses ist im Gegensatz zur normalen Briefsendung ausführlicher, da ja die Laufzeit ein wichtiger Aspekt der Sendungsart ist.
- 1. Stempel (Vorderseite):
2081 Heisst UB "a" am 08.05.1981 um 10 Uhr.
Heisst ist eine kleine Gemeinde mit damals 1500 bis 2000 Einwohner und hatte nur ein Postamt. Aus diesem Grund fehlt hier die normalerweise vorhandene Postamtnummer hinter dem Gemeindenamen.
- 2. Stempel (Rückseite):
2200 Elmshorn 1 UB "bb" am 08.05.81 um 15 Uhr.
- 3. Stempel (Rückseite):
2080 Pinneberg 1 UB "k" am 09.05.81 um 13 Uhr.
- 4. Stempel (Rückseite):
2 Wedel (Holstein) 1 UB "a" am 10.05.81 um 10 Uhr.
Dieser Stempel wurde zweimal abgeschlagen, der eine Stempel war teilweise undeutlich, daher vermutlich der zweite Abschlag.
- ? Stempel (Vorderseite):
2 Hamburg 50 UB "ao" am -.05.1981 um 19 Uhr.
Postamt Altona in Hamburg mit einem eher ungewöhnlichen Rollenstempel. Diese werden normalerweise bei großformatige Sendungen wie Pakete o.ä. verwendet.
Leider verschmierter Stempel wo der Tag nicht erkennbar ist.
Eine ungewöhnlich hohe Anzahl an Stempel und Postämter für eine Sendung in den benachbarten Kreis. Nach einem ersten Zustellversuch am selben Tag über PA Elmshorn 1 ging die Sendung nach Pinneberg, Wedel und zwischenzeitig nach Hamburg.
Es ist unklar warum diese Sendung über zwei Tage für eine Zustellung benötigt, die eigentlich am gleichen Tag zugestellt hätten müssen. Ob die Empfängerin unklar war, Fehler bei den Beamten oder ähnliches ist nicht mehr nachzuvollziehen. Eine Rücksendung an den Absender ist nicht festzustellen, also wird die Sendung spätestens am 10. Mai zugestellt worden sein, wobei der doppelte Stempel auf der Rückseite eventuell auch hier darauf hinweist das die Zustellung nicht im ersten Anlauf erfolgte.
Leider sorgt der Hamburg Stempel wegen der fehlenden Tagangabe für eine weitere Unsicherheit.
Bedarfsendung oder Sammlerbrief?
Für Sammler hat die Unterscheidung einen wichtigen Aspekt, da Bedarfsendungen heutzutage eine höhere Wertschätzung erfährt als die Sammlerbriefe. Letztere waren Objekte die durch die Sammlerleidenschaft entstanden und weniger den tatsächlichen Zweck als Mittel zur Kommunikation erfüllten.
Es ist zu vermuten das die Sendung von einem Sammler verwendet wurde. Hierfür spricht die Auswahl der Briefmarken und wie diese auf der Briefvorderseite platziert wurden.
Die Briefmarken benötigen soviel Platz das für die Anschrift unten nur wenig Freiraum verblieben ist, was einem sagt, das diese erst nach dem Aufbringen der Briefmarken geschrieben wurde.
Verstärkt wird der Eindruck des Sammlerbrief dadurch, das alle Werte am 07.05.81 ihren ersten Verwendungstag hatten. Für einen vollen Satzbrief fehlt nur noch der Wert zu 60 Pfennig "450. Todestag von Tilman Riemenschneider (um 1460–1531)" (Bund MiNrm. 1099).
Sofern man davon ausgeht das der Brief beschriftet zum Postamt gebracht wurde, wie es in der Praxis ja üblich war, würde man an dieser Stelle überzeugt sein, das hier ein Sammler ein ungewöhnliches "Produkt" kreiert hat.
Diesem Gedankengang möchte an dieser Stelle nicht folgen und hierfür sprechen folgende Aspekte eine Rolle.
Zeiteffizienz vs. Ressourceneffizienz
Das Postamt "Heisst" muss wegen der geringen Einwohnerzahl sehr klein gewesen sein und daher einen geringen Publikumverkehr gehabt haben.
Daher hatte Zeiteffizienz, was ja ein Kernmerkmal des Postbetriebes immer war und daher Grundlage vieler Annahmen ist, keine so hohe Relevanz in diesem Postamt. Zudem ist davon auszugehen das man sich "kannte" und die Möglichkeit auf die Wünsche der Kunden einzugehen eher gegeben war.
Aus diesem Grund war man vor Ort zeitlich eher flexibel und konnte daher seine Optimierung auf andere Schwerpunkte wie die effektive Verwendung der vorhandenen Ressourcen verwenden.
Warum also die Briefmarkenauswahl?
Der Briefmarkenverbrauch im Postamt war sicher nicht groß. Im Schnitt alle zwei Monate hat das Postamt einen Bogen jeder Sondermarke für den Vertrieb zu Verfügung. Im Mai 1981 waren es entsprechend je 100x Marken für Postkarten (50 Pfennig) und Standardbriefe (60 Pfennig).
Es spricht also viel dafür das der Postbeamte jede Möglichkeit nutzt um so gut wie möglich diese Bestände zu verbrauchen. Zudem gab es durch die Postwerbung (und vermutlich auch Anweisungen) immer der Hinweis, wenn möglich Sondermarken zu verwenden.
Mit dieser Sendung hat das Postamt sechs Werte weniger in seinem Bestand.
Warum die beiden Folkloremarken und nicht fünfmal die Kirchentagsmarke?
Das ist unklar. Ich würde einfach vom Platzmangel ausgehen, da die Kirchentagsmarke wegen ihres Formates eher unpraktisch war. Alternativ lag noch ein Folkloremarke parat. Es kann noch diverse Gründe neben dem reinen Sammlerwunsch geben.
Warum die Anschrift nachträglich?
Wie oben schon erläutert ging der normale Postkunde mit einem vorbereitenden Brief zum Postamt.
In diesem Fall ging der Kunde vielleicht nur mit einem unvorbereitenden Umschlag zur Post, da er noch nicht wusste in welcher Form er die Sendung aufgeben sollte. Nach Rücksprache mit dem Beamten vor Ort wurde der Brief frankiert und dann beschriftet.
Schwacher Aufgabestempel
Ein für mich wichtiger Grund der für einen Bedarfsbrief spricht, sind die schwachen Stempelabschläge des aufgebenden Postamtes.
Ein Sammler der eine Sendung für Ort aufgibt, hätte den Wunsch auf saubere und klare Abstempelungen geäussert. Insbesondere wenn man sich kennt (Absender kommt aus Heisst) und häufiger Briefe verschickt, ist das normalerweise eine eingespielte Sache.
Absender und Empfänger haben unterschiedliche Nachnamen
Nicht in den Scans zu sehen, aber die Empfängerin und der Absender haben unterschiedliche Nachnamen. Dieses ist ein Indiz für den Bedarfsbrief und kein Beweis.
Örtlichkeit nah
Gründe für die Versendung von Eilsendungen gibt es sicher viele. Viele werden benötigt um zeitkritische Informationen zu übertragen.
Daher spricht grundsätzlich nichts gegen die regionale Versendung zwischen Absender und Empfänger.
Seitlicher Scherenschnitt
Auch hier nur Indiz, aber reine Sammlerbriefe wurden im Normalfall nicht mehr geöffnet und enthielten zur Stärkung nur einen leeren Zettel o.ä., sodass das Öffnen des Umschlages nicht notwendig war.
In der Summe gehe ich aktuell tatsächlich von einem Bedarfsbrief aus, da die Indizen für mich eher dahin tendieren.
Portotabelle 01.01.1981
Die Portotabelle aus einem Kalender.
Quelle: https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ST=13360
Quellen:
- Michel Deutschland Spezial Katalog 1994, Schwaneberger Verlag 1994
- www.wikipedia.de
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